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Impuls: Was brauchen Kommunen, vor welchen Herausforderungen stehen Sie?

Impuls von Uwe Zimmermann

Im Rahmen der Abschlussveranstaltung unter dem Titel „Gemeinschaftliche kommunale Daseinsvorsorge“ hielt Uwe Zimmermann seinen Impuls über die zentralen Bedürfnisse und Herausforderungen, vor denen Kommunen heute stehen. Dabei hob er sieben Hauptpunkte hervor:

  1. Engagierte Menschen: Kommunen brauchen Menschen, die sich politisch und beruflich engagieren. Zimmermann betont den Rückgang des Frauenanteils in Führungspositionen (unter 9 % bei Bürgermeisterinnen und Landrätinnen) und fordert gezielte Maßnahmen zur Stärkung der Gleichstellung. Auch die Personalnot in Verwaltungen ist kritisch, da ein Mangel an Fachkräften die kommunalen Aufgaben zunehmend gefährdet.
  2. Finanzlage der Kommunen: Die Kommunen stehen vor erheblichen finanziellen Engpässen, mit einem prognostizierten Defizit von etwa 14 Milliarden Euro. Zimmermann verweist auf die hohe Verschuldung und den Investitionsrückstand, der beispielsweise für die Energiewende und Mobilitätswende finanzielle Anforderungen in Billionenhöhe bedeutet. Fehlende Mittel für notwendige Projekte beeinträchtigen die Entwicklung und die Daseinsvorsorge vor Ort.
  3. Langfristige Planungssicherheit: Kommunen brauchen Planungssicherheit, um Infrastruktur und Personal effizient zu managen. Da viele Förderprogramme nur kurzfristig ausgelegt sind, entstehen Unsicherheiten, die langfristige Projekte gefährden. Zimmermann fordert verlässliche Finanzierungsstrukturen, um für den dringend notwendigen Personalaufbau und größere Planungsprozesse klare Perspektiven zu schaffen.
  4. Entbürokratisierung: Die Bürokratie, besonders im Zusammenhang mit Fördermitteln, bindet erhebliche Ressourcen. Zimmermann fordert eine Vereinfachung der Verfahren und eine Reduktion administrativer Lasten, da viele kommunale Mitarbeiter nur noch für die Verwaltung von Fördermitteln eingesetzt werden und wenig Raum für die eigentliche Arbeit der Daseinsvorsorge bleibt. Die Bürokratie wird so zum „Flaschenhals“ für die Umsetzung notwendiger Projekte.
  5. Schutz vor Überforderung: Kommunen übernehmen viele gesellschaftliche Aufgaben, oft ohne ausreichende Unterstützung. Zimmermann hebt die Herausforderungen der Integration und Migration hervor, die ohne ausreichende Wohnraum- und Finanzierungsressourcen kaum bewältigt werden können. Er betont die Notwendigkeit, dass gesetzlich festgelegte Aufgaben wie der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung auch mit ausreichenden Mitteln versehen werden.
  6. Sicherheitsvorkehrungen: Angesichts vermehrter Katastrophenfälle, wie Hochwasser oder Hitzeperioden, fordert Zimmermann einen Ausbau des Zivil- und Katastrophenschutzes. Kommunen müssen auf Krisen vorbereitet sein, doch die derzeitigen Strukturen reichen dafür nicht aus. Hierzu gehören Maßnahmen wie Luftschutzbunker oder Hitzeschutzpläne, die angesichts klimabedingter Extremereignisse unabdingbar werden.
  7. Rückhalt in der Bevölkerung: Vertrauen und Unterstützung der Bürger*innen sind essenziell für kommunalpolitische Prozesse. Zimmermann sieht das Vertrauen in die kommunalen Institutionen bedroht, auch durch politisch polarisierende Kräfte. Er mahnt eine intensivere Zusammenarbeit mit der Bevölkerung an, um das Vertrauen in die lokalen Verwaltungen zu stärken und eine stabile kommunale Basis für gesellschaftliche Herausforderungen zu sichern.
  8. Diese sieben Punkte verdeutlichen die zentralen Anliegen, die Kommunen benötigen, um ihre Rolle als Kern der öffentlichen Daseinsvorsorge nachhaltig erfüllen zu können.

Uwe Zimmermanns Impuls war ein Appell, die Komplexität und Dringlichkeit der Herausforderungen im kommunalen Umfeld nicht zu unterschätzen. Gleichzeitig bietet seine Liste auch diverse Ansatzpunkte, um Kommunen in Zukunft zu stärken.

weitere, ausgewählte Tagungsbeiträge

Marktplatz – Interview mit Cléo Mieulet

Auf dem nachmittäglichen ‚Marktplatz rund um die Kaffeetheke‘ betreute Cléo Mieulet einen Platz, der für Sorgezentren warb: Orte, in denen sich Menschen der Pflege und Fürsorge widmen können. Dafür wird das Zurverfügungstellen von Leerständen gefordert.

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Abfließendes Kapital

In den Wirtschaftsmodellen des 20. Jahrhunderts fließt Geld oft aus lokalen Gemeinschaften direkt in die Kassen großer Unternehmen und Konzerne. Diese Zentralisierung des Kapitals kann zu einer Schwächung lokaler Ökonomien führen, da weniger Geld für Investitionen in lokale Projekte und Unternehmen zur Verfügung steht.

Die Supercoop, als Beispiel einer alternativen Wirtschaftsform, setzt auf ein Modell, bei dem das Kapital innerhalb der Gemeinschaft zirkuliert. Durch den Kauf von regionalen Produkten und die Unterstützung lokaler Bäuer*innen wird verhindert, dass das Geld aus der Region abfließt. Stattdessen wird es reinvestiert, um die lokale Wirtschaft zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen.

Globale Konkurrenz

Unternehmen und Produzent*innen weltweit stehen miteinander in Konkurrenz und müssen um Marktanteile und Kunden konkurrieren. In vielen Branchen führt dies zu einem Druck auf Preise und Löhne, da Unternehmen versuchen, ihre Kosten zu senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Supercoop stellt einen Gegenentwurf zu diesem Modell dar, indem sie bewusst auf regionale Produkte und faire Preise setzt. Statt sich dem globalen Wettbewerb um die billigsten Produkte zu stellen, konzentriert sie sich auf Qualität, Nachhaltigkeit und die Unterstützung lokaler Produzenten.

Zerstörung sozialer Infrastruktur

Die „Zerstörung sozialer Infrastruktur“ bezieht sich auf den Verlust von Orten und Institutionen, die das soziale Miteinander in einer Gemeinschaft fördern. Dies können kleine Geschäfte, Gemeindezentren, Parks oder andere öffentliche Räume sein, die Menschen zusammenbringen und den Austausch ermöglichen.

Die Supercoop stellt einen Gegenentwurf zu dieser Entwicklung dar, indem sie nicht nur ein Supermarkt, sondern auch ein Ort der Begegnung und des Austauschs ist. Durch Veranstaltungen, Workshops und gemeinsame Aktivitäten schafft sie einen Raum, in dem Menschen zusammenkommen und sich vernetzen können.

Soziales Miteinander

Das soziale Miteinander ist das beherrschende Motiv aller Commons. Es drückt sich zugleich in allen anderen Feldern des Commoning aus.

Statt immer darauf aus zu sein, mit unserer Zeit und unserem Geld supereffizient umzugehen, räumen wir Menschen und Beziehungen Vorrang ein.

Mehr Informationen im Wiki der Mustersprache des Commoning.

Selbstorganisation durch Gleichrangige

Wenn Menschen sich bewusst selbst organisieren, können sie komplexe soziale Prozesse so strukturieren, dass sich niemand benachteiligt fühlt. Es kann eine Art »Ordnung ohne Gesetz« entstehen.

Mehr Informationen im Wiki der Mustersprache des Commoning.

Sorgendes & Selbstbestimmtes Wirtschaften

Commoning heißt auch, anders zu wirtschaften und mit der Logik der Marktwirtschaft zu brechen. So kann der Abschied vom kapitalgetriebenen Wirtschaften gelingen.

Mehr Informationen im Wiki der Mustersprache des Commoning.

Lokale Kooperationen fördern

Lokale Kooperation ist ein Schlüsselelement für die nachhaltige Entwicklung und Stärkung lokaler und regionaler Wirtschaftskreisläufe. Durch die Zusammenarbeit von Gemeinden, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Akteuren können Synergien geschaffen und Ressourcen effizienter genutzt werden. Diese Kooperationen ermöglichen es, lokale Bedürfnisse besser zu identifizieren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. So können etwa Gemeinschaftsprojekte im Bereich erneuerbarer Energien oder nachhaltiger Landwirtschaft initiiert werden. Die Förderung lokaler Kooperation stärkt das soziale Gefüge, da sie den Austausch und das Vertrauen zwischen den Beteiligten intensiviert. Politisch unterstützt werden kann dies durch Förderprogramme und Plattformen, die den Austausch und die Vernetzung erleichtern. Auf diese Weise kann die regionale Wertschöpfung gesteigert und die Resilienz gegenüber globalen Krisen erhöht werden, was langfristig zu einer nachhaltigeren und stabileren wirtschaftlichen Entwicklung beiträgt.

Lokale Versorgungssicherheit gewährleisten

Die Sicherstellung der lokalen Versorgungssicherheit ist essenziell für eine resiliente und nachhaltige Gemeinschaft. In einer globalisierten Welt, in der Lieferketten oft anfällig für Störungen sind, gewinnt die lokale Produktion und Verteilung von Gütern an Bedeutung. Insbesondere die Landwirtschaft und die Energieversorgung spielen hierbei eine zentrale Rolle. Durch die Förderung regionaler Anbau- und Produktionsmethoden können Abhängigkeiten von externen Lieferanten reduziert werden. Politische Maßnahmen, wie die Unterstützung lokaler Landwirte durch Subventionen und die Schaffung von Märkten für regionale Produkte, tragen zur Stabilität der Versorgung bei. Eine verstärkte lokale Vernetzung und der Aufbau regionaler Logistikinfrastrukturen sind daher zentrale Schritte, um die Versorgungssicherheit nachhaltig zu gewährleisten und gleichzeitig die lokale Wirtschaft zu fördern.

Lokale Versorgungssicherheit gewährleisten


Die Unterstützung lokaler Unternehmen ist entscheidend für die wirtschaftliche Stabilität und Vielfalt einer Region. Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) bilden das Rückgrat der lokalen Wirtschaft und schaffen Arbeitsplätze sowie Innovationen. Politische Maßnahmen zur Unterstützung lokaler Unternehmen können in Form von finanziellen Anreizen, Steuererleichterungen und der Bereitstellung von Beratungsdiensten erfolgen. Zudem spielt die Förderung der lokalen und regionalen Wertschöpfungsketten eine wichtige Rolle: Durch die Vernetzung lokaler Produzenten und Dienstleister entstehen stabilere lokale Wirtschaftskreisläufe, die weniger anfällig für globale Schwankungen sind. Eine bewusste Konsumkultur, die lokale Produkte bevorzugt, kann ebenfalls einen bedeutenden Beitrag leisten. Insgesamt trägt die Stärkung lokaler Unternehmen nicht nur zur wirtschaftlichen, sondern auch zur sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit bei, indem sie die regionale Identität fördert und zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks beiträgt.